Ich komme mit, aber ich fliege nicht! (Lofoten)

 

Das Büro fliegt auf die Lofoten, sie aber nicht! Stattdessen reist die Terranerin Karin mit Nachtzug, Bus und Schiff bis über den Polarkreis, und nach der Teamreise auch terran wieder zurück. Nach zwei Wochen, bepackt mit einem Rucksack, ist sie um eine Erfahrung fürs Leben reicher und zeigt uns auf eindrückliche Weise, dass man jede Reise hinterfragen und umplanen kann.

Das Büro hebt ab? Ohne mich.

Ich arbeite in einem Büro, das immer mal wieder verrückte Reisen unternimmt. 2022 ging es etwa zusammen nach Lissabon. Etwas widerwillig bestieg ich damals den Flieger und beruhigte mein Gewissen ein wenig, indem ich die Reise privat terran verlängerte und einen Nachbarn besuchte, der nach Portugal ausgewandert ist. Ganz getilgt waren die Bedenken allerdings nicht.

Vor rund einem Jahr habe ich dann Interrail entdeckt. Das öffnete direkt eine neue Welt an Reisemöglichkeiten und Inspiration. Die erste Runde führte von Winterthur über Maribor, Graz, Linz, Regensburg, Bonn, Utrecht und Amsterdam wieder nach Hause. Im Winter folgte auch schon die nächste Reise, zu dritt mit meinem Mann und unserer erwachsenen Tochter. Wir fuhren mit dem Zug zu den Nordlichtern, über Hamburg und Stockholm nach Kiruna, Narvik und Abisko. Beides war wunderschön.

Und dann kam die Büroreise auf die Lofoten. Der offizielle Plan: Mittwochabend Flug nach München, Donnerstag weiterfliegen nach Bodø, Freitag nochmals ins Flugzeug nach Svolvær. Drei Nächte Lofoten, danach Direktflug von Evenes nach Zürich. Meine Reaktion: Ich komme mit, aber ich fliege nicht! Ich wusste, dass es auch anders geht. Den Weg über Schweden kannte ich jetzt bereits, also sollte es diesmal durch Norwegen gehen.


Über Kiel und Oslo zum Polarkreis

So stieg ich also, nur mit einem Rucksack bepackt, am Sonntagabend in den ÖBB Nightjet von Zürich nach Hamburg und machte es mir in meiner Mini-Kabine gemütlich. Am Morgen traf ich erholt in Hamburg ein, wo mir rund sieben Stunden blieben, bevor ich mich auf den nächsten Zug begeben musste. Mehr als genug Zeit, um sich die Hafenstadt anzusehen, die Beine zu vertreten und gut essen zu gehen. Dann ging es per Zug nach Kiel und dort auf die Nachtfähre nach Göteborg. Hier verblieb ich nicht lange, sondern stieg gleich in den Zug nach Oslo, wo ich am Dienstag um 13.45 Uhr ankam.

Acht Stunden Oslo standen auf dem Programm. Ich besuchte das Munch-Museum, spazierte zum Schloss und gönnte mir ein entspanntes Abendessen, bevor um 22.50 Uhr der Nachtzug nach Trondheim fuhr. Diesmal wählte ich einen Premium-Plus-Komfortsitz, den ich als Alternative zum Liegeplatz unbedingt einmal ausprobieren wollte, und er war absolut ausreichend. Um 6.40 Uhr hiess es schon wieder aussteigen. Nach einem kurzen Frühstück ging es wegen einer Baustelle zwei Stunden mit dem Bahnersatzbus nach Steinkjer, und von dort mit dem Zug nach Bodø. Ankunft 17.40 Uhr: Am Mittwochabend war ich über dem Polarkreis angekommen.

Mit dem Schiff zu den Bürogspänli

In Bodø übernachtete ich im Wood Hotel. Meine Kollegen wollten zwar auch nach Bodø kommen, danach allerdings mit dem Flugzeug auf die Lofoten, weswegen ich nicht hier auf sie warten wollte. Also bestieg ich am Donnerstagnachmittag ein Havila-Schiff auf der Hurtigruta für die sechsstündige Überfahrt nach Svolvær. Die Ankunft war zwar erst um 21.20 Uhr, doch Ende Mai ist es dort um diese Zeit sozusagen taghell.

Nach einer weiteren Nacht im Hotel traf ich am Freitagmittag meine Bürogspänli auf den Lofoten. Es folgten zweieinhalb Tage intensives Programm: wandern, fischen, Fussball spielen, Kajak fahren. Und so genoss ich es, mich am Montagmorgen zu verabschieden und mit dem Bus quer über die Lofoten zu fahren. Dadurch konnte ich auch noch die Westküste bestaunen und das Wikingermuseum Lofotr besuchen.


Drei Tage der Küste entlang

Am Dienstagabend bestieg ich wieder das Havila-Schiff, das inzwischen bis Kirkenes und zurück gefahren war. Drei Tage und drei Nächte reiste ich südwärts der norwegischen Küste entlang bis Bergen. Das Schöne daran: Unterwegs gab es immer wieder kurze Stopps, bei denen man an Land die Orte erkunden konnte. Und mit nur rund 450 Passagieren an Bord blieb es angenehm überschaubar.

In Bergen besuchte ich am Freitagabend spontan eine Vorführung der nationalen Tanzkompanie Norwegens, ass gemütlich zu Abend und verbrachte eine kurze Nacht im Hostel.


Flåm, Fjorde und ein kleiner Schock

Am Samstag ging es mit dem Zug Richtung Oslo, aber natürlich nicht direkt. In Myrdal stieg ich auf die Flåmsbana um, eine Bahnstrecke, die 1940 eröffnet wurde, und fuhr hinunter nach Flåm. Dort unternahm ich eine Schifffahrt durch die Fjorde und übernachtete im Hostel.

Als ich ein Kreuzfahrtschiff mit 3800 Passagieren im Hafen von Flåm ankommen sah, war das ein kleiner Schock. Doch ich konnte am frühen Morgen mit der Flåmsbana hinauf nach Myrdal fliehen, bevor alle das Dörfchen stürmten.

In Myrdal bestieg ich wieder den Zug nach Oslo. Die Fahrt durch die vielseitige Landschaft, über Hochebenen und durch Nationalparks, endete nach fünf Stunden in Oslo. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter nach Göteborg. Bis dahin hatte alles einwandfrei geklappt.

Ein abenteuerliches Finale

Der Nachtzug von Göteborg nach Hamburg wurde etwas abenteuerlich, was allerdings schon beim Einsteigen bekannt war. Wegen Stromproblemen in Dänemark fuhr der Zug nur bis Malmö. Um 0.30 Uhr hiess es umsteigen auf den Bahnersatz, der Car stand schon bereit. Nach drei Stunden Fahrt ging es auf die Fähre nach Deutschland.

Ich hatte mir für diese Nacht etwas mehr Schlaf erhofft. Als Entschädigung wurde ich mit einer wunderschönen Morgenstimmung auf dem Deck der Fähre belohnt und die Ankunft in Hamburg war sogar noch früher als mit dem Zug geplant.

Nach genau zwei Wochen war ich wieder in Hamburg. Tagsüber ging es via Mannheim und Basel nach Zürich und heim nach Winterthur. Und mir war klar: Auch dieses Jahr kaufe ich mir wieder ein Interrail-Ticket 1. Klasse zum Aktionspreis. Denn auch 2027 will ich terran unterwegs sein.


Über die Autorin:

Karin Bührer…