Terran nach Irland

Angezogen von einer urchig-romantischen Vorstellung, wollte ich schon länger die grüne Insel mit dem milden Ozeanklima besuchen. Diesen Herbst klappte es nun endlich und meine Partnerin und ich machten uns gemeinsam terran auf den Weg.

Meer in Irland
Meer in Irland

Wir buchten unsere Reise relativ kurzfristig und entschieden mit dem Zug via Paris und London nach Holyhead zu fahren und schliesslich via Fähre nach Dublin zu gelangen. Die TGV- und Eurostar-Tickets und -Sitzplatzreservierungen buchten wir einige Wochen voraus. Interrailpässe ermöglichten uns die Benützung der englischen Bahnen und ermässigten zusätzlich die Fährenfahrt.

Da wir London noch nie gemeinsam besuchten, blieben wir drei Nächte in der englischen Metropole und stürzten uns ins Grossstadtgewimmel. Zu Fuss, auf den vordersten Plätzen des Oberdecks der typischen roten Buse oder via Tube entdeckten wir die vielfältigen Quartiere der Stadt. Wir genossen Scones und Tee in einem vornehmen Hotel, spazierten der Themse entlang und tranken einen Drink in einer fulminanten Bar in einer ehemaligen Poststelle.

Mit einigem Umsteigen brachten uns das englische und walisische Bahnnetz mit den ersten Impressionen im Gepäck pünktlich nach Holyhead und wir nutzten die verbleibende Zeit vor der Fährenabfahrt, um das Städtchen zu erkunden und uns in einem Café zu verpflegen. Die vierstündige Überfahrt bot genügend Zeit, um den zweiten Roman zu Ende zu bringen und seine Tragik im rauen Wind auf dem Deck verfliegen zu lassen. Reisetechnisch hatten wir uns einiges zugemutet und verschoben uns kaum angekommen in Dublin mit einem Taxi zum Flughafen und nahmen unser Mietauto in Empfang. Nun hiess es noch in der dunklen Nacht auf der linken Strassenseite bis nach Westcork in die Nähe von Skibbereen zu fahren. Die Strassen wurden allmählich schmaler, und als die begrünte Böschung links und rechts nur noch eine Handbreit vom Auto entfernt war, standen wir vor dem Tor unseres Cottages, unserer Unterkunft für die nächsten vier Nächte.

Mitten im Nirgendwo des ländlichen Hinterlands von West Cork waren wir Gäste von Patty und Chris, die sich hier auf einem alten Bauernhof ihr Dasein aufgebaut haben. Bei einem gemeinsamen Abendessen nahmen sie uns auf die Reise in die bewegte Geschichte der Insel mit. Im lokalen Heritage Center in Skibbereen führten wir diese Reise weiter und lernten über die grosse irische Hungersnot im 19. Jahrhundert – einer der Gründe weshalb heute weltweit ca. 70 Millionen Menschen irischer Abstammung leben (im Gegensatz zu den 5.5 Millionen Irinnen und Iren, die den Staat Irland heute bevölkern). Nachdem wir uns am nächsten Abend noch filmisch mit «The Wind That Shakes the Barley» in die Abgründe des irischen Unabhängigkeitskampfes stürzten, wurde uns bewusster, wie glücklich und demütig wir Schweizer:innen uns mit unserer vergleichsweisen friedvollen Vergangenheit schätzen können.

Nach dieser ländlichen Auszeit erwarteten uns zum Abschluss drei Nächte im historisch pittoresken Dublin. Die kürzlich erschienene Netflix-Serie «The House of Guinness» diente uns als Vorkoster für die ausserordentlich charmante irische Hauptstadt. Zu Fuss liessen wir uns durch die Gassen treiben und saugten die ausgelassene Pub-Stimmung in uns auf. Der Besuch im Guinness-Museum durfte natürlich nicht fehlen und wir stellen wiederum fest, dass wir auch in Zukunft nicht für den hohen Absatz der Brauerei sorgen würden.

Terranes Reisen heisst auch flexibel zu bleiben. Das Sturmtief Amy verhinderte die planmässige Rückreise mit der Fähre ab Dublin und so waren wir gezwungen in Windeseile Alternativen zu finden. Nach fünfstündiger Suche und duzenden Telefonaten mit allen involvierten Transportgesellschaften waren wir gezwungen einen Flug nach London zu nehmen, um wenigstens ab da die terrane Rückreise in Angriff nehmen zu können. Die positive Nachricht: Alle Zugverbindungen waren nahtlos ausgebucht.

Diese Zeilen entstehen auf dem TGV ab Paris zurück nach Genf und Zürich mit der Vorfreude auf die letzte Folge «House of Guinness», die wir uns aufgespart haben für den Abschluss unseres terranen Irland-Abenteuers.

Vielen Danke für diese inspirierende Reisegeschichte Marco