Per Nachtzug nach Südfrankreich

 

Mit dem Nachtzug nach Ax-les-Thermes in die Pyrenäen, ein paar Stunden Paris zwischendrin und vier Tage durch die Berge von Hütte zu Hütte – eine terrane Reise voller Kontraste: von geschäftigen Boulevards zu stillen Bergseen, vom sanften Rattern des Nachtzugs zum Sprachengewirr aus Französisch, Spanisch und Katalanisch.


Aller Anfang ist leicht

Die Reise begann, wie so viele terrane Abenteuer, mit dem TGV Richtung Paris. Statt die Stadt nur zu durchqueren, nutzten wir die paar Stunden, die wir für den Umstieg zwischen dem Paris Gare De Lyon und dem Bahnhof Paris Austerlitz zur Verfügung hatten: Gepäck ins Schliessfach, dann gemütlich zu Fuss durch Paris, entlang der Seine (schwimmen wollten wir dann doch nicht, dafür war die Warteschlange zu lang). Weiter durch kühle Pärke und auf einen Kaffee mit Aussicht auf die Rooftop-Terrasse. Paris als Zwischenziel, statt nur als Umsteigebahnhof: Eine willkommene Pause, die sich immer lohnt.

Eine Nacht im Zug

Von Paris aus ging es dann weiter mit dem nostalgischen Nachtzug. Die Betten waren weich und bequem, und die Wagen liefen sehr ruhig. Wer nicht gleich schlafen wollte, konnte auf einem Sitzplatz ein Buch lesen und die beleuchteten Bahnhöfe der Nacht und die weite Landschaft vorbeiziehen lassen. Diese Art zu reisen hat einen ganz eigenen Rhythmus: kein Gedränge am Gate, keine Sicherheitskontrollen. Einfach einsteigen, einschlafen und am nächsten Morgen an einem neuen, unbekannten Ort aufwachen.

 



Ankunft in Ax-les-Thermes

Ax-les-Thermes empfing uns als kleines, ruhiges Städtchen mitten in den Pyrenäen. Nicht nur ist es sehr idyllisch und mit einer hübschen Altstadt, es eignet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für Aktivferien in den Bergen. Man trifft hier auf viele Sportler:innen und Wanderlustige, feine Restaurants und eine Altstadt, die zum Verweilen einlädt. Wir waren aber zum Wandern gekommen, und so verliessen wir unsere Unterkunft bald wieder.

Vier Tage von Hütte zu Hütte

Spontan entschieden wir uns für eine viertägige Wanderung durch die Pyrenäen, von Hütte zu Hütte (vergleichbar mit den Schweizer SAC-Hütten). Unsere Stationen: die Refuge de Besines, die Refuge d’en Beys und die Refuge de Camporells. Reservationen waren auch kurzfristig möglich, was allerdings nicht selbstverständlich ist. Die Landschaft war atemberaubend schön und trotz des heissen Sommers und der nahen Waldbrände war es in der Höhe angenehm kühl. Um uns herum glitzerten überall Bergseen, in denen wir uns gerne erfrischten. An den Hütten liessen sich auch Zelte aufschlagen, was bestimmt sehr attraktiv für low-budget Reisende ist. Unterwegs begegneten wir auch Familien, die mit einem Esel als Gepäckträger unterwegs waren.

Wir genossen das Sprachengewirr entlang der Route: Französisch, Spanisch und Katalanisch vermischten sich je nach Tal und Hütte, ein akustisches Echo der Grenzlage zwischen Frankreich, Spanien und Andorra.

 



Mobil mit dem Interrail-Pass

Für die Reise nutzten wir einen Interrail 3-Tagespass, den wir neben der Hin- und Rückfahrt nach Paris auch für zwei kurze Zugstrecken in den Pyrenäen einsetzten. Diesen dritten Interrailtag geniessen wir jeweils besonders, da wir ihn so flexiblel einsetzen können.

Rückreise in den Sonnenuntergang

Als stimmungsvollen Abschluss fuhren wir nach acht Tagen in den Bergen mit dem Nachtzug mitten in den Sonnenuntergang und zurück nach Paris. Diese Reise zeigt, wie viel Abwechslung sich klimafreundlich erleben lässt: Grossstadt und Gebirge, Kultur und Natur, alles ganz ohne Flugzeug. Wie immer war auch der Weg unser Ziel.

 

 

 

 

 

 

 


Über den Autor:

Andreas Riedhauser ist Mitglied des Vorstands von Terran Schweiz und seit vielen Jahren am liebsten im Zug unterwegs. 2005 fuhr er damit einmal von Zürich bis nach Hongkong. Er engagiert sich neben Terran auch noch in verschiedenen anderen Vereinen.