Mit dem Velo quer durch Tschechien – Teil 2
Tag 2: Über die Elbe aufs Land hinaus
Der nächste Tag startet wieder früh, damit ich der Hitze aus dem Weg gehen kann. Heute wäre das gar nicht nötig gewesen, wie sich später herausstellen wird. Die ersten 20 km verlaufen erneut der Elbe entlang, bis ich in Lovosice ankomme. Hier warte ich auf die kleine Fähre, die halbstündlich Fussgänger:innen und Radfahrer:innen über das Wasser führt, wie mir die Rezeptionistin im Hotel freundlicherweise von der Website übersetzt hat. Ich stärke mich mit zwei Getreideriegeln und ein paar Katjes Hasen, während ich auf die Fähre warte. Mein Bruder hat mir immer davon erzählt, wie toll es ist, dass man auf einer Fahrradtour praktisch so viele Süssigkeiten essen kann, wie man will, da man die Energie sowieso wieder verbrennt. Ich kann ihm nur zustimmen.
Auf der anderen Seite der Elbe muss ich mich erstmals per Handy orientieren, da ich mich nun vom Fluss entferne. Es fällt mir auf, dass die Wege eigentlich sehr gut ausgeschildert und gepflegt sind. Ich hatte mir im Zug noch Sorgen gemacht, dass ich viel auf Schotterstrassen und Forstwegen unterwegs sein würde, doch bisher sind diese Sorgen unbegründet. Die Landschaft wird jetzt etwas hügeliger, Ortschaften werden rarer, und man kann seine Blicke über endlose Felder, Wiesen und Wälder schweifen lassen. Heute kann ich mich gut in meinem Hörbuch verlieren und gleichzeitig die Natur um mich herum geniessen. Nach etwas mehr als 50 km komme ich in Louny an, wo ich etwas zu Mittag essen möchte. Im Stadtzentrum gibt es Fahrradstellplätze, an denen ich mein Rad abschliessen kann, um mich für einen Moment auf zwei Beinen fortzubewegen, die Stadt zu erkunden und ein Restaurant zu finden.
Ich bin überrascht von Louny, einem Städtchen, das mehr zu bieten hat, als ich es im ersten Augenblick vermutet hatte. Schlussendlich genehmige ich mir in einer kleinen Beiz eine Portion Spaghetti, um meine Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Dann geht es weiter durch die immer stärker von Hopfenanbau geprägte Landwirtschaftszone Nordwest-Tschechiens. Wie tags zuvor bin ich wieder um kurz nach 15:00 Uhr im Hotel angekommen. Heute habe ich mein langärmliges Oberteil angelassen, da es den ganzen Tag über überraschend frisch blieb. Der Fährmann warnte mich jedoch davor, dass es wohl nur heute so kühl bleiben würde. Am Abend spaziere ich noch ein wenig in Žatec umher. Auch hier bin ich überrascht davon, wie schön die Stadt ist. Es scheint in Tschechien eine Regel zu geben, dass aneinandergrenzende Häuser in einer Stadt nicht dieselbe Farbe haben dürfen. Das sorgt für bunte Fotosujets. Dann gab es für mich eine Pizza aus dem Pizzawagen.
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Tag 3: Es geht ins Erzgebirge hinein
Es steht meine “bergigste“ Etappe an. Es geht von Žatec nach Karlovy Vary (Karlsbad) durch die Ausläufer des Krušné hory (Erzgebirge). Heute steht viel Sonne im Wetterbericht, also entscheide ich mich erneut für ein langärmliges Oberteil und Sonnencreme an den Beinen und am Kopf. Ich merke, dass ich heute etwas langsamer vorankomme als in den Tagen zuvor, was zweifelsohne daran liegt, dass ich mich in einem konstanten Auf und Ab durch die Hügellandschaft bewege. Zum Glück entscheide ich mich in Podborany die Chance auf Verpflegung zu nutzen und decke mich in einem Supermarkt mit Brötchen, Riegeln, einer Banane und zwei isotonischen Getränken ein. Danach werde ich an diesem Tag keinem Laden mehr entgegenkommen, bis ich an meinem Zielort eintreffe.
Die Tschechischen Hügel scheinen zu grossen Teilen wie ausgestorben. Nur selten einmal kommt mir ein Auto entgegen, und Radfahrer sehe ich nach Podborany praktisch keine. Dafür quere ich immer mal wieder ein kleines Dorf, begegne Kühen auf ihren Wiesen und erhole mich von kräftezehrenderen Anstiegen mit den dadurch verdienten Ausblicken. Viele Kirchen gibt es hier in Tschechien, sogar da, wo scheinbar kaum Menschen wohnen, um die Kirchen zu besuchen. Gerade bin ich froh darüber, eine dieser Kirchen in Valec vorzufinden. So kann ich kurz meinen Puls beruhigen, meine Beine ausstrecken und mich mit Süssigkeiten auf die nächsten Hügel vorbereiten. Den Rest der Etappe bringe ich ohne weitere Pausen hinter mich, da der Grossteil der Höhenmeter bereits hinter mir liegt. Kurz vor meinem heutigen Etappenziel, einem Sporthotel wenige Kilometer vor Karlsbad, beginnt dann eine spassige Abfahrt, teils serpentinenartig schlängelnd, teils sehr direkt und steil. Die Gegend ist viel bewaldeter als die bisherigen, und alles ist so idyllisch. Ich denke, ich sollte meinen Eltern raten, hier Urlaub zu machen und durch die Wälder zu wandern. Teilweise fahre ich hier auf weicheren Forstwegen und Schotterstrassen, was zur Abwechslung angenehm ist. Grösstenteils sind die Wege allerdings immer noch geteert, was für ein schnelles und ruhiges Fahrerlebnis optimal ist.
Am Abend fahre ich mit dem Rad noch ein wenig in die Stadt. Hier schlage ich mir nicht nur den Bauch voll, sondern mache auch noch etwas Sightseeing und gehe Proviant für die vorletzte Etappe besorgen. Karlsbad erinnert mich an Städte wie Wien und Budapest, gespickt von prunkvollen Gründerzeitfassaden und imposanten Kurhäusern. Die Stadt ist auch viel touristischer als alle zuvor. Die Strassen sind voller Menschen, vor den Hotels stehen Reisebusse, und vieles ist auf Englisch und Deutsch ausgeschildert und angegeben. Insgesamt hinterlässt die Stadt einen äusserst positiven Eindruck auf mich.
(Teil 3 folgt…)











